GEO-GRAFie - Warum Geographen und Infografiker sich in der Werkstatt treffen

Die Idee ist nicht neu. Schon der Bauhaus-Künstler Herbert Bayer mixte für seinen 1953 erschienenen wegweisenden "Word Geo-Graphic Atlas" Landkarten mit Elementen der Infografik. Erstaunlich modern anmutende Beispiele daraus präsentierte Francis Harvey, Professor für visuelle Kommunikation in der Geographie, am 19. Januar in der Staatsbibliothek Berlin. Laut Harvey zeigten Bayers Arbeiten "various ways to come to know the world better".  Die Welt besser verstehen – ein Ziel, das auch heute noch Geographie und Journalismus verbindet.

Weil das so ist, trafen bei der dritten Tagung "News-Infograhics-Analytics-Maps" in der Staatsbibliothek erneut ganz verschiedene Zünfte aufeinander: neben Geographen, Kartographen und Geoinformatikern verschiedener Institute und Hochschulen waren Journalisten und Infografiker aus Zeitungs- und Online-Redaktionen sowie Software-Entwickler und Datenspezialisten dabei präsent. Um Berichte aus der Medienwerkstatt sollte es gehen, also Beispiele für erfolgreiche Kooperationen, neue Karten- und Datentools und - besonders wichtig - eine Plattform zum Netzwerken und Diskutieren.

Denn, das wurde auf der Tagung deutlich, die Spezialisten brauchen einander! Experten aus der Kartografie und Informatik können wertvolle Rohstoffe wie Karten und Geodaten liefern und sie beherrschen die Werkzeuge für deren Auswertung. Darüber hinaus brauch es aber auch interessierte Journalisten, die die relevanten Fragen stellen, Visualisierungs-Ideen einbringen und das Publikum anlocken.

Was kann aus solchen Kooperationen herauskommen? Etwas Eindrucksvolles, wie an einem gemeinsamen Projekt der Tageszeitung “Die Welt“ und der HafenCity Universität Hamburg zu erkennen ist. Johannes Kröger von der HCU stellte das Ergebnis vor: eine Webreportage zur Elbvertiefung. Er berichtete, wie die lokale Redaktion der „Welt“ die Idee an den Campus brachte: "Wir möchten gern die Elbe einmal unter Wasser zeigen."

Das Problem dabei: Wie lassen sich für so ein großes Gebiet - wie der gesamte Elbverlauf - kleinste Details zeigen? Die Lösung war eine Kombination aus Video und 3-D-Viewer. Das Video um die Elbe einmal komplett abzufliegen, der 3-D-Viewer um Details auf dem Flussgrund wie beispielsweise Wellenstrukturen, den alten Elbtunnel und Schiffwracks erkunden zu können. Der Lohn der Mühe: Neben vielen positiven Rückmeldungen aus der Öffentlichkeit wurde das Team für den Reporterpreis 2016 nominiert.

 



Was gab es noch zu entdecken? Mathias Gröbe von der TU Dresden stellte Techniken, Workflows und Darstellungsformen zur Analyse von Social-Media-Content vor. Deutlich wurde dabei, dass neben den technischen Herausforderungen vor allem die statistische Signifikanz noch Probleme bereitet. Datenjournalisten der „Berliner Morgenpost“ und Studenten der Hafen City Universität beschäftigten sich im Rahmen des Projekts CoGran mit der Frage, wie sich Statistiken verschiedener geographischer Bezugsräume vereinheitlichen lassen. Inga Schlegel von der HCU erklärte das viel diskutierte Tool und zeigte Anwendungsbeispiele wie eine Berlin-Wahlkarte. Bei der schnellen Produktion von Online-Karten für das aktuelle Nachrichtengeschehen sieht der Entwickler Lorenz Matzat noch Potenzial und präsentierte sein Kartentool mapworks.

Was bei den Diskussionen nach den Beiträgen, aber auch bei der anschließenden Diskussion zu Synergien zwischen Journalismus und Kartographie auffiel: Die Tagungsteilnehmer wissen oft noch wenig von der Profession, dem Arbeitsalltag der jeweils anderen und haben Mühe, die fremde
(Fach-)Sprache zu übersetzen. Doch Raimar Heber, einer der beiden Gastgeber, formulierte treffend: "Die Verzahnung ist noch relativ zaghaft, aber ein Anfang ist gemacht".


Fotos: dpa
Text: Sebastian Tanke